Geladen und entsichert. Hardcore-Weltkriegsshooter im Vergleich

Geladen und entsichert. Hardcore-Weltkriegsshooter im Vergleich

Foto: Beyond the Wire

Neben den uns bekannten Shootern wie Battlefield oder Call of Duty, finden wir seit Jahren eine Fülle an Indie-Titeln in dem Bereich. Einige dieser Vertreter gelten als Hardcoreshooter und dies in vielerlei Hinsicht. Wir schauen uns die drei derzeit bekanntesten Vertreter dieses Genres an und legen unseren Fokus dabei auf das Setting des Zweiten Weltkriegs.

 

Post Scriptum – Periscope Games (2018)

Wir befinden uns im klassischen Setting des Zweiten Weltkriegs, allerdings nicht wie ihn Battlefield und Call of Duty zeigen. Kein leichtherziges Geballer, keine gepanzerten Menschen und schon gar keine anderen Annehmlichkeiten.

In Schlachten von 40 gegen 40 Spielern, gehen wir taktisch und als kleine Trupps auf den Feind los. Für rambohafte Einzelaktionen gibt es hier kaum Freiraum und jeder muss seinen Teil zum Sieg beitragen. Ob man nun in der Armored Section als Teil der Panzercrew unterwegs ist oder im Rückraum Logistiker spielt, ist dabei völlig gleich. Jeder Teil im Team muss ausgeführt werden und nur so bringt man sein Team zum Sieg.

Was nach klarer Rollenverteilung und sogar Hackordnungen klingt, ist in der Realität wirklich so. Jeder Bereich hat seine ganz klaren Aufgaben und muss diese gewissenhaft erledigen. Ohne Nachschub und Infrastruktur durch die Logistiker hat es jeder Bereich schwerer und ohne Panzer kommen die Fußsoldaten in Bedrängnis.

Ein Alleinstellungsmerkmal von Post Scriptum ist das Spawnsystem, zwar kennt man Garnisonen und Vorposten auch aus anderen Spielen, aber mobile Spawnpunkte wie LKWs, gibt es selten bei anderen Spielen. Umso wichtiger sind diese auch im Einsatz. Ein zerstörter LKW kann den gesamten Angriff einer Seite lahmlegen, allerdings kann ein guter Fahrer seine Truppen auch genau in die Schwachstellen des Gegners manövrieren und so eine Schlacht für sein Team entscheiden.

Grafisch gesehen ist Post Scriptum allerdings kein Feuerwerk, das Spiel lebt von seiner Atmosphäre und nicht von den hohen Grafikdetails. So manch eine Explosion scheint ganz nett anzusehen sein, Maßstäbe wie bei den großen Shootertiteln BF oder CoD sollte man hier allerdings nicht setzen.

Ein großer Pluspunkt ist allerdings die Glaubwürdigkeit der Karten, man hat sich originales Material der damaligen Zeit zurate gezogen und sich beim Kartenbau an diesen Vorlagen orientiert, was zur guten Atmosphäre durchaus beisteuert.

Also für wen ist dieses Spiel überhaupt was?

Wer sich von langen Spawnzeiten, ebenso langen Laufwegen und One-Shot-Kills nicht stören lässt, eine gewisse Frustresistenz hat, der kann hier durchaus ein Spiel fürs Leben finden. Intensive Absprachen im Spiel, eine permanente Bedrohung für das eigene virtuelle Leben lassen einem manchmal so manch heiße Situation erleben.

Ein überlebtes Feuergefecht und der dramatische Sieg nach ewig langer Abwehrschlacht sind hierbei oft mehr Belohnung als die goldenen Waffen und Abzeichen in den Standartshootern.

 

Beyond the Wire – Redstone Interactive (2020)

Ein paar Jahre vor Post Scriptum befinden wir uns nun, genauer gesagt im Ersten Weltkrieg.

Hier tragen wir in Teams bis zu 50 Soldaten, packende Schlachten im historischen Setting aus.

Kaum ein Szenario steht so sehr für Grabenkriege wie der Erste Weltkrieg und Beyond the Wire setzt dieses Gefühl auch eiskalt um. Mit Grabenkeulen und Klappspaten müssen wir uns mehr zur Wehr setzen als uns lieb ist. Packende Duelle mit Säbeln und Bajonetten gehören hier dazu, wie Panzer in den Zweiten Weltkrieg.

Statt den hitzigen Panzergefechten eines Hell Let Loose, setzen wir hier dem Gegner mit Feldgeschützen und Kanonen zu, reißen große Löcher in die Reihen und auch ein letzter verzweifelter Charge ist nicht selten eine Option.

Rollen die es auszufüllen gibt, gibt es reichlich und das Bauen von Verteidigungsanlagen ist durchaus ein großer Part in diesem Spiel. Wie auch in anderen Spielen der Hardcore-Sparte, ist auch hier Teamwork oberstes Gebot und Aufgaben müssen wirklich ausgeführt werden. Wer nicht baut, der nicht gewinnt…oder so ähnlich.

Optisch ist das Spiel durchaus ansehnlicher und an manchen Stellen auch detailreicher als manch anderer Genre-Vertreter, auch hier wird die Atmosphäre wieder zu einem der Hauptträger des Spielspaßes. Befehlsketten, Aufgabeneinteilung, packende Gefechte in Truppstärke sind nicht für jeden Spieler was.

Daher ist Beyond the Wire auch nicht ganz so Massenmarkt kompatibel wie die gängigen Spiele im Shooter-Bereich. Ein weiteres Manko könnte die geringe Spielerzahl sein, anders als bei Battlefield, finden wir hier oft mehr leere als volle Server.

Hoffen wir also, dass das Spiel nicht schon vom Start weg zum Rohrkrepierer wird.

 

Hell Let Loose – Black Matter (2019)

Seit gefühlt Minuten halte ich den Kopf unten während Maschinengewehrsalven über mich hinwegbrettern und die feindliche Artillerie uns den Eroberungspunkt in den Boden stampft.

In der Ferne explodiert ein Panzer, aber zu weit weg, als dass ich erkennen könnte von wem er war. Der Kommandochat ist ruhig, muss wohl ein feindlicher gewesen sein.

Eins kann Hell Let Loose richtig gut und das ist Atmosphäre schaffen. Mal ist eine Runde in der Verteidigung so ruhig, dass man meinen könnte man wäre im Urlaub auf dem Land. Im nächsten Moment beordert der Squadleader hektisch seine Männer an verschiedene strategische Positionen, während wir uns von Häuserecke zu Häuserecke durchkämpfen müssen.

Egal ob urbaner Häuserkampf in Carentan, Langstreckengefechte auf den verschneiten Feldern von Foy oder taktische Flankenmanöver auf Utah Beach…jeder kriegerische Geschmack kann bedient werden.

Was dem Spiel auch guttut ist die Tatsache, dass es grafisch durchaus schön sein kann und man sich sehr viel Mühe bei den Sounds gegeben hat. Ein Bomberüberflug sieht auf den hohen Grafikstufen wirklich spektakulär aus und erzielt schnell ein hohes Maß an Panik (bei Freund und Feind).

Was die Technik angeht, hat das Spiel immer noch seine kleinen und größeren Macken, an denen mal mit mehr und mal mit weniger Hingabe gearbeitet wird. Ein Kritikpunkt, den sich das Studio leider gefallen lassen muss, ist die Schnelligkeit mit der an bekannten Problemen gearbeitet wird. So kann der unzerstörbare Weidezaun durchaus ein Ärgernis für Panzerbesatzungen sein.

Ansonsten gelten auch hier die altbekannten Regeln anderer Spiele: Man tritt in großen Teams von 50 Spielern pro Seite gegeneinander an, um Punkte zu erobern. Teamplay und die Erfüllung seiner Rolle steht dabei weit über dem persönlichen Skilllevel. Generell ist die Kommunikation bei Hell Let Loose wie bei allen anderen Genrevertretern das Maß aller Dinge und der Schlüssel zum Erfolg.

Wer sich dort einfügen kann, dem sollte ein gutes Spielerlebnis nichts im Wege stehen.

Foto: Beyond the Wire
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